Donnerstag, 3. November 2016

Das also sollte Liebe sein

Herr K. ist nach wie vor bei uns und ich bin froh, dass ich ihm in dieser Situation zur Seite stehen darf.

Eine Woche ist es jetzt her und alles ist skurril, entsetzend, unverständlich, traurig und voller Wut.

Aber der Reihe nach.

Die Zeugenaussage bei der Polizei dauerte länger als geplant. Sollte jemand irgendwann mal zu einer Zeugenaussage gehen müssen, nehmt ein Lunchpaket mit. Wir haben geschlagene 4,5 Stunden dort verbracht, ohne Wartezeit sondern direkt "dran gekommen".

Ich hatte es schon lange vergessen, aber die schreiben so mit wie man redet...

Den Tag davor waren wir dann doch in der Wohnung, gemeinsam, er brauchte es wollte Gewissheit, denn einiges deutete daraufhin, dass es eben keine natürliche Todesursache war.

Wir fanden im Browserverlauf  einige Details die, den Verdacht unterstützten und er teilte das auch dem Beamten mit.

Dann hier Zuhause schnelle Verabschiedung von Herrn Gold, der nur auf uns wartete, den Blonden hütete um dann gen Norden aufzubrechen, sein vorletztes Mal aus dieser Wohnung.

Und ich begann zu packen.

Dienstag, Feiertag, packen, schlafen, spazierengehen, packen. Vorfreude, Herrn K. trösten, lange Gespräche, da sein. 

Mittwoch, Herr K. muss zum Arzt, dann ihn zu uns bringen, denn der Tatortreiniger und die Wohnung sind für ihn im Moment kein Ort. Es ist ein auf und ab und er braucht Zeit um wieder auf die Beine zu kommen, also zunächst eine Auszeit und sein Doc sieht es gsd ebenso.

Als ich Herrn K. gerade absetze, kommt der Anruf, das er schon früher da ist, also direkt wieder ins Auto.

Die Wohnung stinkt nicht mehr so, die Flecken sind, soweit möglich, innerhalb von wenigen Minuten weg, ich vergesse beim Gehen das Fenster zu schließen, muss also heute noch mal hin...

Weiter packen. 

Herr K als einer der begünstigten des Nachlasses, ist sich nicht sicher ob er wirklich alles weiß über die Vermögensverhältnisse und möchte sich einen ersten  Überblick verschaffen indem er das Konto sichtet. Es ist nicht gedeckt, aber er möchte wissen wie dieser Betrag zustande kommt. Die 5. Abbuchung ging vor über 4 Wochen für ein Beratungsgespräch raus, ein hoher Geldbetrag, ein sehr hoher. Ein Beratungsgespräch bei einem Menschen, der Bücher über die Anleitung zum Suizid verfasst. Letzte Woche Mittwoch werden 500 Euro bar abgehoben. Im Verlauf waren ebenfalls Hinweise zu diesem Menschen und seinen Praktiken.

Herr K. wird wütend, brüllt, schlägt gegen Wände und ich kann ihn so gut verstehen. Bis vor wenigen Stunden sitzen wir zusammen und reden.

Seine LG hat ihm noch zwei Tage vor ihrem Suizid gesagt wie sehr sie ihn liebt, wie sehr sich das Leben mit ihm lohnt und wie dankbar sie für seine Liebe sei. Immer wieder hat sie ihm in der Vergangenheit unterstellt, er wäre nicht ehrlich, sie müsste Angst haben das er fremdgeht, sie anlügt....

Nein, das musste sie nicht, aber wieder einmal zeigt sich, dass solche Vorwürfe von Menschen kommen, die von sich selber ausgehen.

Aufgrund der Daten steht nun also fest, dass diese miese Aktion mindestens 6 Wochen lang geplant war.

Ich bin was Suizid angeht keine Gegnerin, aber wenn jemand keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht, alles so penibel plant und den Menschen, den er angeblich so liebt, so ins Messer laufen lässt, dann ist das arschig, mehr als arschig und sicher kein Zeichen von Liebe. Ein abgelegener Platz im Wald, ein Hotelzimmer oder eben die eigene Wohnung hätten es auch getan. Aber dem Partner zu sagen man fahre eine Woche weg, alles vorzubereiten, alle Spuren auf den Suizid noch zu entsorgen, inkl. Spülmaschine anstellen ist das Allerallerletzte.

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