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Donnerstag, 19. Mai 2016

Guten Morgen oder auch HELLWACH!

Ich bin ja eigentlich eine Frühaufsteherin, eigentlich.

Wenn ich allerdings mal wieder eine Nacht mit wenig Schlaf hinter mir habe, trödel ich morgens, hab Mühe in die Gänge zu kommen und entsprechend fällt dann auch die erste Runde mit dem Blonden aus.

Wir trödeln gemeinsam über die Grünflächen, er hebt sein Bein, schnuppert sich in Extase und wir trotteln gemeinsam weiter, während er die Nase in den Boden gräbt, ich darauf achte nicht über meine eigenen Füße zu fallen und den Duft der letzten Fliederblüten einsauge und mich über die vielen Blüten freue.

Wenn wir zurück kommen wird der Briefkasten geleert, die Werbung, die trotz "keine Werbung-Aufkleber" im Kasten landet entsorgt, die Pfoten vom Blonden getrocknet und dann gibt es für ihn Frühstück und ich kümmer mich um die Post, die nicht in Ablage P wandert.

Alles ganz ruhig und gemütlich.

Bis auf solche Momente wie gerade eben, wenn dann im Briefkasten ein Schreiben mit dem Absender, wie dieses hier liegt:


Sofort bin ich hellwach, alle möglichen Sünden der Vergangenheit - es gibt keine, die die Staatsgewalt interessieren könnten - alle Freunde, evtl. lebende Verwandte sowie die Frage, wer oder was mich bei diesem Verein als Zeuge, Täter oder ähnliches angeben könnte schwirrt in Bruchteilen von Sekunden durch meinen Kopf und der Kreislauf ist auch in Schwung.

Wenn ich eins mittlerweile kann, mich beherrschen ohne in Panik auszubrechen. Guter Witz ;)

Also rein in die Wohnung, den Brief erst mal auf die Ablage. Während ich dem Blonden die Pfoten abtrockne, sein Futter fertig mache und mir andere Schuhe anziehe, überlege ich, wie ich heute noch zum Anwalt komme, das ich sicher keine Zeugenaussage oder Stellungnahme ohne ihn machen werde, falls das gefordert wird und das ich, da das Auto heute unterwegs ist, keine Chance haben werde zum Anwalt zu kommen, aber telefonisch wird sich das ja sicher regeln lassen.

Erst noch einen Kaffee? Vielleicht doch einen Kaba? Kaba ist immer gut, also mit dem Kaba und dem Brief an den Schreibtisch. Post mit diesem Absender sollte man niemals stehend öffnen, das weiß ich aus längst vergangener Zeit.

Vielleicht gibt es ja auch eine Erbtante aus Amerika? Nein das wäre dann nicht die Staatsanwaltschaft, da geht es immer um Verbrechen.

Durchatmen, da steht schon nichts schlimmes drin.


Ähm ja, überlegen und dann fällt mir ein um was bzw. wen es ging, denn im Gegensatz zu der Staatsgewalt habe ich dann doch den namentlichen Zusammenhang auf der externen Festplatte meines 2. Gehirns. Da ich die Informationen (Screenshot) bei der Online-Anzeige angeboten habe, aber keiner sie wollte bzw. nicht die Möglichkeit bestand sie als Anhang zu senden, habe ich  sie dann gerade via Fax an die Versender geschickt. Vielleicht sind das dann ja genug Anhaltspunkte um entsprechend weiter zu ermitteln.


Ich bin jedenfalls wach, freue mich, dass entgegen der Aussagen einiger Leute, die Anzeigen, auch wenn sie Online gestellt werden, doch bearbeitet werden und atme jetzt mal tief durch, die Zeiten in denen ich ständig als Zeugin in eigener Sache bei Staatsanwaltschaft und Kripo vorgeladen wurde, sind lange vorbei, aber wenn solche Post im Briefkasten ist, wird alles reaktiviert.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Menschen und Begebenheiten aus

der Vergangenheit, beschreibt der Captain in seinem gestrigen Beitrag auf eine unvergleichliche Art und Weise - hierfür: Chapeau!

Ich erlaube mir ausnahmsweise die Antwort von Bohli zu zitieren

"Erinnerungen sind das was uns als Mensch formen und prägen. Sie zu verdrängen würde bedeuten einen Teil unseres Lebens zu leugnen. ...." ,

eigentlich stimme ich ihm vollkommen zu, eigentlich.

Auf der anderen Seite gibt es Passagen im Leben, die man zu gewissen Zeiten verdrängen und leugnen muss, um mit der Welt und sich selbst klar zu kommen beziehungsweise, um es knallhart zu sagen, um zu überleben. Es gibt Vorfälle, die so einschneidend sein können, dass die Seele nur die Möglichkeit hat, das Erlebte soweit zu verdrängen oder zu verschließen, sodass es nicht mehr im aktuellen Bewusstsein ist. Ja, dass man diese Erinnerungen vor sich und auch vor der Welt verleugnet und es in die, bildlich gesprochen, große schwarze Ablage packt, gehört dann dazu.

Aber auf gewisse Weise ist den meisten Menschen dennoch bewusst, dass da was in der großen schwarzen Ablage liegt, das dieses Zeug zwischendurch für seltsame Verhaltensweise sorgen kann, ist manchmal auch klar, aber dennoch werden auch diese Erfahrungen dafür sorgen, dass der betreffende Mensch heute so ist, wie er ist, die Summe aus seinen Lebenserfahrungen. Auch wenn er, wie auch sein nicht bewusster Teil der Seele, diese schwarze Ablage leugnen möchte oder aktiv leugnet.

Warum schreibe ich darüber eigentlich? Um was geht es?

Ich, die Frau Gold, die eben immer auch von "Summe aller Lebenserfahrungen" spricht, die, so sagen ein paar Menschen, die mich kennen, eine ganz nette sein soll, die hat diese schwarze Ablage.

Eine schwarze Ablage, von einem Umfang der mir lange nicht bewusst war und der sich mit der Büchse der Pandora vergleichen lässt. Ich habe im letzten Jahr beschlossen, den Deckel anzuheben und mich auf das Projekt "entdecke die wahre Frau Gold" eingelassen.

Euch als Lesern hier ist klar, dass "Frau Gold" ein Pseudonym ist, einige wissen, dass der Name seinen Ursprung in der Realität hat, aber das die reale Frau Gold, mit dem "echten" Namen im Personalausweis, ebenfalls ein Pseudonym ist, ist den meisten Menschen in meinem Umfeld unbekannt und das wird auch so bleiben. Selbst wenn ich hier jetzt gerade sprichwörtlich die Hosen runter lasse.

Erinnerungen, wie sie der Captain beschreibt gehörten nicht zu den Ereignissen, die in der schwarzen Ablage liegen oder lagen, die waren vorhanden, aber erst durch das anheben des Deckels entdeckte ich dass mir sehr viele Jahre in der Biografie einfach fehlten. Es gab keine Erinnerungen dazu, keine Bilder, keine Gefühle - nichts. Als hätte es diese Zeit nie gegeben, sicher war mir bewusst, dass da irgendwas "komisch" dran ist, aber hei, warum Gedanken über etwas machen was nicht da ist?

Heute nach gut einem halben Jahr intensivem Wühlen und Hinschauen
 an dieser Stelle muss ich ein großes DANKE an meinen Begleiter auf diesem Weg aussprechen 
ist die Entdeckungsreise noch lange nicht abgeschlossen, aber ich kann sagen, dass der bisherige Weg sich, trotz aller Einbrüche und Tiefen, auf eine gewisse Art gelohnt hat.

Manchmal, an den Tagen an denen es in den freien Fall geht, wünsche ich mir, dass ich die Finger vom Deckel gelassen hätte. Aber irgendwann ist wohl der Punkt erreicht, da muss man sich, sofern man in positiver Weise überleben und nicht dahinvegetieren möchte, auch an die bisher im Verborgenen liegende Vergangenheit trauen.


Genug aus dem Nähkästchen geplaudert, vielleicht schreibe ich dazu irgendwann mal mehr, vielleicht auch nicht, jetzt gerade hatte ich das Bedürfnis dazu. Eine Bitte an Euch, verzichtet auf Fragen wie "was ist denn passiert" oder auf "es tut mir leid", denn für letzteres müsstet ihr wissen um was es geht und es gibt nichts was in meinen Augen zu bemitleiden ist.

Nähkästchen zu.

Dienstag, 18. Juni 2013

Candy

nein kein Zuckerstück. Ein Mann mit amerikanischen Wurzeln.

Ich lernte ihn im Sommer 1992 kennen. Gerade 18 jobbte ich in meiner Stammdisco an der Theke. Da ich ja sowieso hinter dem Tresen mehr oder weniger aufgewachsen war, war das für mich der sinnvollste Nebenjob.

Der Inhaber des kleinen, schnuckeligen Disco, die für knapp 100 Leute Platz hatte, rundrum verspiegelt war und in einem kleinen Dorf lag, war schwul und aus der großen, fernen heutigen Goldstückstadt. 

Der Laden brummte am Wochenende. Gute Türsteher sorgten dafür das es nie zu Schlägerein kam und das Publikum kannte sich. Dann an einem Wochenende an dem ich eigentlich mit Tanja zusammen arbeiten sollte, stand ER vor mir.

Holla die Waldfee, was für ein Mann. 2 Köpfe größer als ich, gut gebaut, sportlich, muskulös, braun gebrannt, ein weißes eng anliegendes Hemd, eine zerrissene Jeans und darüber eine Leder Chaps. Berliner Schnauze und Augen in denen ich sofort versank. Ich war hin und weg. Na das würde ein lustiger Abend werden.

Wir verstanden uns auf Anhieb und nach ein paar Stunden war für mich klar: Candy ist schwul und somit war mal wieder das Sprichwort "Entweder schwul, besetzt oder ein Arschloch" bestätigt.

Wir wurden mit der Zeit gute Freunde und irgendwann war es so weit, dass er nicht mehr morgens 80km nach Hause fuhr um abends wieder mit mir den Laden aufzumachen, sondern mit zu mir kam und dort, aufgrund von fehlenden Möglichkeiten,  bei mir im Doppelbett schlief. Wir waren wie Bruder und Schwester. Ich lag bei ihm im Arm, er kraulte mir den Rücken oder umgekehrt, aber es war nie irgendein Anflug von Sexualität. Mittlerweile hatte er sich auch mir gegenüber geoutet und ich war als erste Frau in der Wohnung seines Freundes und ihm zu Besuch.

Irgendwann traf er auf den Erzeuger, komische Situation, denn das war vor der Sache mit Charly  ich hatte im ersten Moment das Gefühl sie kennen sich, aber damals dachte ich, ich täusche mich. Wie sich dann aber herausstellte, hatte ich mich nicht getäuscht, die Szene ist einfach sehr klein gewesen zu dieser Zeit.

Wir arbeiteten über ein Jahr jedes Wochenende zusammen. Er erzählte mir von Problemen mit seinem Lebensgefährten, von der Lederszene, von so vielen Sachen.

An einem Freitgabend stellte mir ein Gast ein Glas in die Spülbürste das ich nicht sah. Das Glas in meiner Hand ging zu Bruch und ich hatte einen tiefen Schnitt im Handballen, blutete kurz sehr stark aber mit Pflaster war es nach kurzer Zeit wieder zu. Der Abend verlief wie immer, wir hatten sehr gut zu tun.

Der neue Türsteher machte seinen Job leider nicht gut, gegen 4 Uhr, wir wollten in einer guten Stunde schließen, lies er jemanden rein, der eigentlich Hausverbot hatte.  Es kam zu einem Handgemenge, der DJ sah es noch vor uns, machte sofort die Musik aus rief den Türsteher und seine Jungs  gleichzeitig machte er das Licht an - da flog schon der erste Barhocker.

Innerhalb von kurzer Zeit hatten wir eine heftige Schlägerei. Candy blieb erst noch bei mir wollte die Theke mit sichern. Als der Türsteher auf dem Boden lag und jemand nach ihm trat, sprang Candy, mit einem Satz über die Theke und griff ein. Ich sicherte die Kasse. Der nächste Barhocker flog an mir vorbei in das Glasregal mit den Spirituosen. Die Polizei hatte ich schon alarmiert aber bis die aus der Kreisstadt kommen würden, dauerte es noch. Dann gab es einen lauten Brüller. Candy schaute auf seine Hand, dann auf den Typen vor ihm und drehte durch. Ich lief zu ihm und stellte mich dazwischen. Candy schaute immer wieder auf seine Hand, die voller Blut war, griff sich ins Gesicht, schaute wieder auf seine Hand.

Ich hatte schon beim hinlaufen ein frisches Handtuch gegriffen, denn er blutete wie irre im Gesicht. Seltsamerweise konnte ich ihn beruhigen, einige der Gäste sorgten dafür dass die Schläger nach draussen verfrachtet wurden, ich hielt Candy das Handtuch auf die Nase. Er hatte einen offenen Nasenbeinbruch.

Irgendwann kamen Polizei und Krankenwagen. Die Schläger waren weg nur noch verletzte Gäste und Candy. Durch sein Blut sah ich auch aus als wäre ich verletzt. Mein Schnitt war auch wieder leicht aufgegangen denn irgendwann hatte ich das Pflaster verloren.

Candy wurde mit dem Krankenwagen abtransportiert, die Polizei nahm alles auf und verschwand. Ich informierte den Besitzer des Ladens, der gerade in Berlin seine neue Location öffnete und rief den Erzeuger an, er möge mich abholen, wir müssten Candy noch im Krankenhaus abholen, denn ich musste ihm versprechen das wir ihn da nicht lassen, sonst wäre er gar nicht mitgefahren.

Der Erzeuger kam, ich schloss den Laden ab und wir holten Candy. Einige Stunden später waren wir im Laden, räumten auf, der Erzeuger fuhr zur Metro und holte Getränke, die der Lieferant nicht bringen würde, der Glaser setzte die neuen Spiegel und abends um 21 Uhr öffneten wir die Türen wieder.

Candy mit Nasenverband, ich mit Pflaster an der  Hand und neuen Türstehern aus Goldstückstadt sowie einem Stammgast daneben, wegen den Gästen mit Hausverbot.

Es war ein ruhiger Abend.

Einige Wochen später ich hatte ein Freiwochenende, schaut mir der Erzeuger auf die Hand, sieht die Narbe und fragt was da passiert ist. Ich erzähle es ihm, von dem Wochenende der Schlägerei sei der Schnitt, Spülbürste usw. 

Er wurde blass:

Hattest Du HANDSCHUHE AN ALS DU CANDY GEHOLFEN HAST?

Nein wieso? 

DU WEISST NICHT DAS CANDY POSITIV IST?

Am nächsten Morgen war ich direkt zur Blutabnahme. Die nächsten Wochen und Monate zählen noch heute zu den schlimmsten in meinem Leben. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich bei Candy, aufgrund meiner Verletzung angesteckt hatte, war groß, wie mir auch die Ärztin bestätigte. Im Abstand von 6 Wochen ging ich ein Jahr lang zum Testen und lies jeden Mann abblitzen. Gsd war nichts passiert.

Candy stellte ich nach der ersten Blutabnahme zu Rede, erst da fiel ihm auf, dass er mir dieses "kleine" Detail nicht mitgeteilt hatte. Für mich war das ein enormer Vertrauensbruch.

Wir hatten noch 4 Jahre engen Kontakt, er nahm mich in Läden mit, wo sonst keine Frau reinkam und  dann ging er wieder zurück in die Staaten, dann brach unser Kontakt ab. 

Donnerstag, 13. Juni 2013

Begegnungen mit dem Gesetz Teil I

Eigentlich kann ich nicht wirklich schlecht über diese Begegnungen sprechen.

Skuril war es jedesmal.

Drei Monate vor meinem 18. Geburtstag feierten wir bei mir Zuhause eine "Winter- Jahresabschlussklassenparty". Die Örtlichkeit bot sich an:

- keine Erzeugerin,
- ein Erzeuger der bei den Klassenkumpeln bestes Ansehen geniest weil er so cooool ist, sich dazu bereit erklärt das Haus zur Verfügung zu stellen,
- Alkoholika in rauhen Mengen,
- die finanzielle Unterstützung durch den Erzeuger sodass ich das erste große, kalt/warme Buffet meines Lebens für knapp 30 Leute zaubern kann

Schon am Nachmittag ging es los. Der Erzeuger war weg und nach und nach trudelten die Jungs und Mädels ein. Die Feier war GEIL. Herr Rossi, Sancho und Pancho suchten kurzfristig ihr Glück auf einer Tanzveranstaltung im Ort. Knapp eine Stunde oder waren es zwei, man weiß es nicht, erschienen sie wieder auf der Bildfläche, tranken sich ein Bierchen und bastelten den ersten Zug des Abends.

Die kleine Blessur an Herrn Rossis Stirn war mir zwar aufgefallen, aber sowas hatte er ja öfter.  Den restlichen Verlauf des Abends betrachtet ich aus der Keramikabteilung, denn meine erste Suche nach dem Glück führte dazu, dass ich mich intensiv mit Jörg unterhalten wollte.

Einige Wochen später:

Herr Rossi spricht in Grün, ich ausnahmsweise mal in Rot:

Frau Gold! Du erinnerst Dich doch noch an den Abend als Sancho und Pancho mit mir nach dem Glück suchten?

Ja natürlich Herr Rossi, war doch ein toller Abend.

Naja, Du solltest vielleicht wissen, dass wir bei der Suche ein kleines Problem hatten und in vier Wochen habe ich deswegen hier einen Termin und Du musst mir helfen.

Wie sollte ich, ich war doch nicht dabei.

Mein Anwalt sagt, dass es wichtig ist, dass Du aussagst wieviel ich schon getrunken hatte bevor wir losgezogen sind. Von wegen Zurechnungsfähigkeit usw.

Sag mal was ist eigentlich passiert? Das hört sich ja ziemlich übel an und wieso habt ihr mir nichts davon erzählt?????

Naja wir dachten es passiert nichts, aber der blöde Macker von T. hatte Angst das er eine auf die...bekommt wenn er nicht auspackt, daher hat er den Tip gegeben, dass ich dem P. zugenickt habe. Der ist dann direkt zu den grünen Funken und...

Moment was ist denn passiert? Du hast dem doch nur zugenickt?

Jein, es war etwas härter und ich kann doch auch nichts dafür, dass der so ne weiche Haut hat.

Einige Wochen später sitze ich also vor einem Richter, Staatsanwalt irgendwelchen Beisitzern und werde als Zeugin im Prozess gegen Herrn Rossi befragt. 

Der Richter hatte so ein vertrauensvolles Äußeres und ich hätte mich am liebsten bei ihm auf den Schoss gesetzt.

Aber jetzt galt es Herrn Rossi zu helfen. Die Frage was ich gesehen hatte konnte ich schnell beantworten: 

Nix, ich war ja nicht dabei. 

Die Frage warum ich dann Zeugin sei, beantwortete Herr Rossis Anwalt. Und die Frage wieviel Alkohol Herr Rossi sowie seine zwei Begleiter, in der guten Stunde, die sie vor der Glücksuche bei mir waren, getrunken hatten, beantwortete ich mit:

Zu dritt ca. 7 Liter Kölsch und jeder hatte 2 Wodka Cola, was sie sonst noch getrunken haben weiß ich nicht. *das Ganze total trocken, mit dem goldigsten Augenaufschlag der Welt*

Hinter mir sass Publikum, das anfing zu lachen, der Staatsanwalt bekam komische Flecken im Gesicht und der Richter, mit seinem sanften gütigen Blick *schmacht* fragte mich allen ernstes ob ich mir da sicher sei. 

Ja, natürlich. Die drei waren die einzigen die zu der Zeit Bier getrunken haben und den Wodka habe ich ihnen selber gemixt. Als sie zurückkamen mussten wir kurz drauf ein neues Fässchen anstecken. 

Die Stimme vom Staatsanwalt: Sie wissen das eine falsch Aussage strafbar ist? 

Ich nickte mit großen Augen und es rollten ein paar Tränen, Herrn Rossi stand der Schweiß auf der Stirn und er rechnete wohl nicht damit:

gekonter Augenaufschlag von Frau Gold mit Träne wegwischendem Handrücken und Blick zum Richter

Ich kann doch nichts anderes sagen als die Wahrheit und hätte ich ihn nicht gehen lassen, wären wir jetzt nicht hier, also ist es ja auch meine Schuld.

Keine Fragen mehr vom Anwalt, Staatsanwalt: Zeugin kann unvereidigt entlassen werden. 

Herr Rossi bekam 50 Sozialstunden und diese leistete er freiwilling an seiner späteren Arbeitsstelle einem Kinderhospiz ab. 

Ob ich diese Falschaussage heute wieder so von mir geben würde? Wenn eine Glatze, meine Freunde angreift, diese sich wehren und sich die Glatze anschließend als armes Opfer dank anderer bezeugter Glatzenaussagen  schönreden will: JA. 

Donnerstag, 6. Juni 2013

Charly III

Charly schien auf mich gewartet zu haben.

Klar er war ja in diesem Kaff den ganzen Tag alleine gewesen. Was sollte er hier auch schon machen? 150 Einwohner und 1.000 Kühe.

Er hatte gekocht und im Gegensatz zum Vortag empfand ich den Geruch lecker und freute mich irgendwie.  Wir aßen und dann fing er an zu erzählen. Das er und E. sich im Vorjahr bereits kennen gelernt hätten als E. in Thailand war.

In einer Boy Bar in der er gearbeitet hätte. Er wäre Kellner gewesen, hätte aber keinen Sex für Geld gemacht. Boy Bar? E.? Also doch? Charly erzählte weiter, das sie das ganze Jahr Kontakt gehalten hätten und er jetzt endlich im Mai hätte mitfliegen können, weil E. das Ticket bezahlt habe und die Formalitäten die notwendig gewesen seien.

Immerhin hätte alles zusammen 6.000DM gekostet und dann wären sie zusammen zurück geflogen. E. wäre so treu, seine große Liebe usw. usw. - das in dem Jahr viele "Kameraden" und "Bekannte" hier ein und aus gegangen waren schluckte ich runter.

Zu viel Informationen.

Deswegen hätte ich E. auch nicht am Flughafen abholen brauchen, denn Freunde von Charly hätten sie abgeholt und nun könne er noch einige Monate bleiben und dann müsste man sehen, ob E. für immer mit ihm nach Thailand geht oder ob Charly hier bleibt.



Aber zwischendurch hörte es sich auch immer wieder so an, als denke er, ich wüsste über alles Bescheid. Er war so unbedarft und wirkte so glücklich ich lies ihn erzählen.

Also war E. nach Thailand geflogen um sich dort mit Männern zu vergnügen? Waren die Jungs, die eigentlich das Alter meiner großen Brüder hatten doch keine Kameraden?

Fragen die mir nur E. beantworten konnte, der nicht da war, die aber eigentlich gerade beantwortet wurden und letztlich ging es mich ja auch nichts an mit wem er in die Kiste springt. Ich hatte im Gegensatz zur Erzeugerin, die ja schon seit Jahren verschwunden war, keine Probleme mit Schwulen oder Lesben. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, dass all die Kontakte die durch E. zur "Homo-Szene" entstanden waren, also doch immer was mit seiner paralells Lebensweise zu tun hatte".

Die Fragen wurden in den nächsten Tagen beantwortet. E. outete sich und auch da bekam ich zu viel Informationen.

Charly blieb für 5 Monate und musste dann erst mal wieder zurück. E. wollte das Charly für immer nach Deutschland zieht aber dafür musste er erst noch mal ausreisen. Drei Monate später sollte er zurück kommen. Am Flughafen gab es reichlich Tränen. Charly wollte nicht gehen, E. wollte sich nicht trennen und ich hatte das Gefühl, als ob er mir näher war, als einer meiner großen Brüder mir je sein konnte.

Drei Monate später am selben Gateway fielen wir uns wieder in die Arme. Charly war zurück. Eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung war nicht zu bekommen, wie sich in den nächsten Wochen herausstellte und irgendwann sagte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn "dann heirate ich ihn, dann kann er für immer bleiben, ich werde ja sowieso niemals heiraten".

Ich war kurz vor meinem 20. und nach Erkundigung hätten wir uns nach 5 Jahren scheiden lassen können.

E. war dankbar und griff den Vorschlag direkt auf, wiegelte wieder ab und griff ihn dann doch auf. 2 Wochen später bestellten wir das Aufgebot. Wenn alle Papiere vollständig übersetzt wären, würden wir Mitte Juli heiraten.

Es kam nicht soweit.

Charly erfuhr von einem Bekannten, dass E. in seiner Abwesenheit ständig Stricher traf und war hochgradig enttäuscht. Es flogen die Fetzen und letztlich sagte Charly, das er wieder nach Thailand fliegen würde, ich könnte ihn jederzeit besuchen, doch zuerst würde er für ein Jahr ins Kloster gehen.

Wieder flossen Tränen am Flughafen, nur Charlys und meine. E. war nicht mit gefahren. Ich bekam noch 2 Jahre Post von Charly, dann brach der Kontakt ab. Später erfuhr ich, dass er nach der Zeit im Kloster anschaffen ging. So wie alle die, die E. danach noch traf und mit nach Hause brachte. Ich habe in der Zeit mit meinem fast thailändischen Ehemann ein sehr gutes Englisch gelernt, viel über Thailand erfahren und auch vieles über die buddhistische Lebensweise.

Als ich 21 war zog ich aus und brach den Kontakt zu E. ab. Er flog bis 1997 mehrmals im Jahr für vier Wochen nach Thailand und irgendwann kam er mit etwas zurück, was er wohl nicht haben wollte.

Mittwoch, 5. Juni 2013

Charly II



„Ich bins, wir haben wie Du ja schon mitbekommen hast, Besuch. Tut mir leid, ich hätte es Dir ja vorher gesagt, aber ich dachte Du bleibst die Woche über beim Lover und ich wollte dich nicht in der Praxis anrufen. Ich komme sobald der NATO-Alarm vorbei ist – hoffe mal das es nur noch 24 Stunden sind, dann bin ich morgen wieder da. So könnt ihr euch dann auch gleich alleine kennenlernen. Ich muss wieder raus, Du weißt ja das wir eigentlich während dieser Phase nicht nach draußen telefonieren dürfen.“

Es machte klack in der Leitung und ich war genau so schlau wie vorher. 

Mein Kopf begann zu arbeiten:

E. war von März bis Mai in Thailand, erzählte das es ein super toller Urlaub gewesen wäre, der auch mich viel Geld gekostet hatte, denn seine Karten waren ihm geklaut worden und ich hatte ihm, weil er darum gebeten hatte, alles ersparte, zuzuüglich dem Disporahmen (also 10.000DM) via Direktanweisung zugeschickt. Er wollte das Geld dann nach dem Urlaub wieder auf mein Konto transferieren – klar war ja kein Problem. 
Dazu kam es nie, doch das ist wieder eine andere Geschichte.

Charly war eindeutig Thailänder und das was in der Wohnung so roch waren einfach die thailändischen Gewürze und das Essen auf dem Herd. Für mich, die mit gerade etwas über 18 Jahren, vor wenigen Monaten das erste mal Chinesisch gegessen hatte ein zuviel an Gerüchen.

Mittlerweile war Charly etwas ruhiger geworden und schaute mich meist fragend an. Ich entschied mich zum Lover zu fahren, denn alleine mit ihm in der Wohnung und den Gedanken die durch meinen Kopf rasten, ging nicht. 

Er schien etwas traurig als ich ihm mitteilte das ich wieder fahren würde, sprang aber auf umarmte mich und ich - total perplex - erwiderte die Umarmung. 

Dem Lover gefiel es nicht, das ich auftauchte, hatte er doch eine Verabredung für den Abend von der ich nichts wusste, sie war 10 Jahre älter als ich, blond, nuttig und lag nackt auf dem Sofa während er sie...
das war zuviel für einen Tag, ich machte ihm noch nicht mal eine Szene, 
habe ihm nur ein "Scheißkerl" hingeschmissen, 
mich umgedreht und mich wieder ins Auto gesetzt.

Also fuhr ich direkt wieder zurück in mein „Zuhause“ wo der Fremde auf dem Sofa sass und Videos schaute, dem ich ein kurzes „Hi" – zuwarf und mich dann in mein Zimmer verkroch um den Schmerz mit dem Lover raus zu heulen, die konfuse Situation im Zuhause war in dem Moment Nebensache. 

Das Klopfen an der Tür hatte ich nicht gehört und auch nicht gemerkt wie jemand in mein Zimmer kam, ich lag unter der Bettdecke, fühlte nur eine Hand auf meiner Schulter die tröstend streichelte, langsam die Decke wegzog und dann hörte ich „so sorry…“

Charly sass auf der Bettkante, nahm seine Hand sofort zurück als ich mich umdrehte und fragte warum ich traurig sei in seinen Augen standen Tränen. Ich konnte nicht antworten, mein englisch hatte sich verabschiedet und durch das Geheule hätte er mich sowieso nicht verstanden. Er verschwand, kam kurz darauf mit einer Tasse kaltem Kaba

 ob er es von E. wusste, das ich das Zeug nur kalt trinke,
oder ob es einfach Zufall war, habe ich nie erfahren

einem Aschenbecher und Zigaretten wieder. Reichte mir die Tasse, zündete eine Zigarette an und reichte sie mir, so selbstverständlich, als würden wir uns schon Jahrzehnte kennen.

Ganz ruhig und langsam erzählte er mir in engl. von Thailand, seiner Familie, seinem Glauben und dann hatte er mich so weit, das ich ihm erzählte warum ich so traurig sei. Er gab dem Lover üble Schimpfnamen und tröstete mich, ich solle froh sein das ich ihn los bin.

Irgendwann dann sagte er ich solle schlafen, und er würde mir am nächsten Tag meine Fragen beantworten. Dabei hatte ich ihm gar keine Fragen gestellt.

Der nächste Tag in der Praxis verlief ruhig bis auf die Anrufe vom Lover. Der aber dank der Kollegin nicht bis zu mir durchkam. Am Nachmittag rief ich in der Dienststelle an und erfuhr, dass der Alarm weiter geht. Ok, also würde ich alleine mit Charly sein. Die Fragen hatten sich mittlerweile auch kristallisiert und ich war gespannt auf seine Antworten.

Ich fuhr nach Hause und kannte eigentlich die Antworten, dumm war ich nicht und das irgendwas nicht stimmte war mir schon länger klar, nur dieses was bekam gerade eine Form, von der ich nicht wusste ob sie mir gefallen würde.

Ob Charly mir wirklich meine Fragen beantworten würde?




Dienstag, 4. Juni 2013

Charly I

Der Captain hat mich mit seinem Blick auf den Tourismus in Thailand an Charly erinnert.

Eines Tages war er einfach da. Wo? In der Wohnung, die ich als Zuhause kannte und mit dem Erzeuger teilte. Ich war das Wochenende beim Lover und kam am Montag von der Arbeit, hörte Musik in der Wohnung, doch das Auto von E. stand nicht vor der Tür. Ich schloss die Tür auf, seltsame Kochgerüche kamen mir im Schwall entgegen, ein leichtes Übelkeitsgefühl machte sich direkt breit und ich dachte „hier könnte mal wieder gelüftet werden“.

Ich rief nach E. - keine Antwort.

Ging ins Wohnzimmer um die Musik leiser zu drehen und prallte gegen einen Mann. Der erste Schreck setzte sich sehr schnell und mein leicht panisches „Wer bist Du und was suchst Du hier“ wurde mit einem freundlichen lächeln und „isch nix deutsch sprechen“ sowie vielen englischen Wörtern beantwortet.

Mein englisches Sprachmodul war aber nicht aktiv,
Ich kann nur in einer Sprache denken und sprechen in diesem

Moment ging nur Deutsch. Ich unterhalte mich also beispielsweise

in Englisch kann es aber dann nicht übersetzen und umgekehrt.

Übersetzungen gehen flüssig nur schriftlich.

somit verstand ich kein Wort, griff zum Telefon und rief auf der Dienststelle von E. an.

 „Seit heute morgen ist NATO-Alarm. E. ist gerade im Übungsraum, da kann im Moment keiner rein, die lassen Masken wechseln“ – kam vom Dienstleiter. Sobald er raus käme, würde er informiert das ich angerufen hätte.

OK, was sollte ich jetzt in meinem Zuhause mit einem fremden Kerl, der jetzt nicht gerade wie ein Einbrecher aussah, sich ganz heimisch fühlte?

Mein Sprachmodul kam langsam in Gang und ich verstand, das sein Name Charly war, er sich freut mich kennen zu lernen E. hätte ihm ja schon so viel von mir erzählt usw. usw.

Charly lief mir überall hinterher. Auch mein Zimmer war kein Tabu. Also zurück in die Küche. Ich schaute ihn mir genauer an. Er war ca. 1,80, schlank, sommerbraun, gut gebaut und schätzungsweise mitte zwanzig, also etwas älter als ich.

Kurze Haare die perfekt gestylt waren, super gepflegt insgesamt und er trug ein blaues Shirt sowie eine weiße Short und hatte ein sehr hübsches, markantes Gesicht. Insgesamt war es ein Mann, der mir vom Aussehen her zu diesem Zeitpunkt sehr zusagte.

Ich öffnete den Kühlschrank, mein Bedarf an Alkohol war mit einem mal sehr groß. Der Kühlschrank war voll mit Gemüse, „komischen“ Gewürzen und bis auf die H-Milch erkannte ich nichts wieder. Ich kam mir vor wie in einer fremden Welt. Auf dem Herd köchelte irgendwas in einer weiß-gelben Soße und Charly sprang um mich herum. Plapperte und plapperte.

Es war also, ja wer war er? Wer zum Teufel…

Charly fragte ob ich Hunger hätte, was trinken will und holte schon ein Glas aus dem Schrank. Das Sprachmodul war umgelegt. Ich erklärte ihm, das ich mir, wenn dann selber ein Glas nehme, er sich hinsetzen und mir erstmal etwas Zeit geben soll, denn ich wäre im Moment ziemlich verstört, da ich nicht mit Besuch gerechnet hätte.

Besuch? Nein er wäre kein Besuch er wäre ein Freund von E. – ja sagte ich doch Besuch – nein, ein Freund von E…





Das Telefon klingelte und ich lief ins Wohnzimmer...

Dienstag, 23. April 2013

Tunnelspiel Leben - Alea iacta est


bedeutet nicht, dass die Würfel gefallen sind, richtig übersetzt bedeuten die Worte „Der Würfel ist geworfen (worden).

Genau in dieser Situation befinden wir uns tagtäglich. Mal ganz bewusst, mal unbewusst, mal gewollt, herausgefordert, vermieden und doch mitten drin.  

Eigentlich schlittern wir von einem Wurf in den nächsten und können oftmals gar nicht die Zahl des Wurfes lesen. Nicht abwarten bis die Würfel liegen und man ihre Zahl sehen könnte.

Nein wir sehen den Würfel fallen und damit ist die Tatsache, dass der Würfel liegt gegeben und in Anbetracht der Dinge, die da kommen könnten, huschen wir in manch einer Situation direkt zum nächsten Spiel. Blos nicht ausharren, nicht abwarten.

Aber manchmal sind es auch genau die anderen Momente. Die Momente in denen man weiß, dass die Würfel gefallen sind und man weiß „rien ne va plus“ – nichts geht mehr. Man könnte sich in den Hintern treten, dass man die Kugel ins Spiel gebracht hat, sie geworfen hat und nun sitzt man am Roulette Tisch des Lebens, sieht die Kugel mal besser, mal schlechter vor sich hin rollen und wartet darauf, dass sie endlich ihren Platz findet, damit man weiß, ob sich der Einsatz gelohnt hat. Damit man weiß ob man als Gewinner oder Verlierer vom Tisch aufstehen wird um das nächste Spiel zu beginnen.

Muss es immer Gewinner oder Verlierer geben? Kann es nicht auch einfach ein Remis sein? Ein Remis bei dem alle Spieler mit einem schönen, wohlig warmen Bauchgefühl vom Tisch aufstehen, einen Drink zu sich nehmen um dann nach einer Pause wieder Platz zu nehmen und das Spiel von neuem zu beginnen?

Ich weiß nicht welches Bild mir im Moment besser gefällt. Die Würfel die geworfen sind und kurz vor dem Aufprall auf dem Tischtuch sind oder die Kugel die immer noch im Roulette Kessel ihre Runden dreht und sich gleich ein Fach aussuchen wird. 1-37 oder doch die 0?

Und ihr so?

Sonntag, 14. April 2013

Ich bin wieder hier....

Das Wochenende war kurz, sehr kurz. Innerhalb von wenigen Tagen, noch weniger, sehr viel weniger eigentlich fast gar keinen Schlaf gehabt.

Gespräche, Freunde, Freude, Einblicke, Emotionen, glück und so vieles mehr.

Ich muss sortieren, schauen wie ich es erzählen werde (wenn überhaupt im Detail, dann sowieso auch in den Details gekürzt).

Jedenfalls bin ich das erste mal seit langer Zeit rundrum innerlich sowas von im Gleichklang, das ich jetzt beim Schreiben dieser Zeilen Angst bekomme, dass es schneller beendet sein könnte als es angefangen hat.

Montag, 25. März 2013

Begegnungen



Eigentlich sind wir uns schon begegnet. Einmal und ich dachte er ist irgendwie unsicher und verschreckt. Danach folgten eine Menge Unterhaltungen via Chat. Intensiver Gedankenaustausch in jede Richtung. Über Gott und die Welt, Gefühle, Begebenheiten die man nicht erklären kann und Dinge die auch hier, in Bloggerhausen, wohl zu weit führen würden. Das Spiel mit Worten macht wahre Freude mit ihm, zwischendurch bedarf es keiner Worte und doch reden wir miteinander.Nein, das ist kein „ich habe mich verliebt/verknallt“ Post.



Die Begegnung gestern war anders. Reden, Musik hören über Dinge reden über die man so noch nie gesprochen hat, nicht weil man nicht vertraut, sondern weil einen die Umwelt für „bekloppt“ halten würde, man nur auf Unverständnis stoßen würde und auch weil man niemanden mit diesem „Wissen“ erschrecken möchte. Emotionen auf einer Ebene zu besprechen, die nichts mit Fassaden, Moral und Ehtik am Hut haben. Einen Gesprächspartner haben mit dem man spiegelt, der Gedankenschübbse bringt, vielleicht auch weil er so ganz anders ist und das auf eine Art und Weise die man so bisher selten getroffen hat.


Der Blick tief in das Innerste ohne das Gefühl, dass man etwas verbergen möchte und muss – zu fühlen das jemand „eindringt“ ohne zu berühren und so dermaßen nah ist, dass man sich erschreckt, genießt und wegstoßen möchte es dennoch erneut zu einer „Einladung“ kommt.

Verstreut ein wenig, verwirrt, so ruhig wie seit langem nicht mehr…“Lass mich mit Deinen Augen sehen“…

Stunden später, ein Film läuft, fahrend oder doch aus der Vogelperspektive sehe ich einen Weg, eine Straße. Eben keine Ansteigung, kein Gefälle, sanfte Hügel links und rechts, ein warmes Gefühl, angenehme Temperaturen, dem Weg folgend wird es nebliger und irgendwann versinke ich in tiefen Schlaf. Wer hat wen geführt, sehen lassen und wohin? 

Wenn man eine Tür schließt öffnet sich eine andere. 

Verrammelst Du die Türe, sei Dir sicher, dass Du die Fenster und die Balkontür ebenfalls geschlossen hast.

Wenn Du fühlst, dass von vorne etwas kommt, dann bedeutet das nicht, dass Du Dir sicher sein kannst das du alles verriegelt hast. 

Wenn Du denkst das von Vorne und Hinten nichts kommt, dann bedenke, das auch über Dritte gesendet werden kann. 

Die Macht ist das was Angst erzeugt – die Reaktionen hervorruft und dieser Macht kann man sich nur bewusst werden indem man sie annimmt. Sich führen lässt und mit jemandem der führen kann die Macht betrachtet und sie kennenlernt. Macht kann man verbergen und verdrängen. Anschauen, betrachten, lernen damit zu leben ohne zu nutzen oder zu missbrauchen, das Ziel.

Wo geht es da gerade hin? Fasziniert…Gedankenversunken und Musik auf den Ohren die aus einer ganz anderen Zeit stammt….

Mittwoch, 6. März 2013

15C

Sonne, die ersten Schneeglöckchen, die Kätzchen fangen an zu blühen und die Familie Elster baut ihr Nest vor meinem Fenster.

Das Leben geht seinen Weg.Tod, Geburt....

Frau I. - bisher noch kein Thema hier, hat mich gefragt, ob ich die Patentante ihres Sohnes werden möchte. Sie erfuhr von ihrer Schwangerschaft am 26.09. und rief direkt bei mir an.

Patentante=große Verantwortung. Man muss Kinder mögen und auch wenn es heute grundsätzlich anders geregelt wird, sollte man bereit sein das Kind im Notfall bei sich aufzunehmen und auch vorher bereits für das Kind da sein.

Ein Junge. Sein Name soll kleiner Herr J. werden - so sehr wie ich einerseits denke JA so sehr schrecke ich davor zurück.

Ich kann die nette Besuchstante sein, aber Patentante? Ich habe mich bewusst gegen Kinder entschieden und dann Patentante werden? Nein das wäre wohl nicht richtig, ein Kind und wenn es nur "geliehen" ist passt nicht in mein Leben.